Visualisierung [Vorentwurfsphase]: © Beyss Architekten GmbH
Der Neubau der Freiwilligen Feuerwehr in Heimerzheim ist eine direkte bauliche Antwort auf die Hochwasserereignisse im Juli 2021. Anstatt sich im Ahrtal auf rein technische Schutzbarrieren zu verlassen, verfolgt der Entwurf eine Strategie des Ausweichens: Das gesamte Geländeniveau wird um rund 1,80 Meter angehoben. Damit liegt das Erdgeschoss künftig auf der Höhe des damals dokumentierten Höchstwasserstandes. Durch diese topografische Anpassung und das Abrücken vom Fluss 'Swist' hin zur Schützenstraße entsteht ein Sicherheitsplateau, das die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr auch bei extremen Wetterlagen dauerhaft gewährleistet.
Die Projektdaten
Die Architektur gliedert sich in zwei klar ablesbare Baukörper: eine eingeschossige Fahrzeughalle und ein dreigeschossiges Funktionsgebäude. Durch die leichte Staffelung der sechs Stellplätze erhält die Halle eine Rhythmisierung, die das Volumen zur Straße hin optisch bricht und gleichzeitig die Ausfahrten definiert. Funktional sind beide Bauteile nahtlos miteinander verwoben, um im Alarmfall reibungslose Abläufe zu garantieren. Die Wegeführung im Erdgeschoss ist konsequent barrierefrei und kreuzungsfrei organisiert – vom Eintreffen der Einsatzkräfte auf dem Alarmparkplatz über die Umkleiden bis zum Ausrücken der Fahrzeuge gibt es keine hinderlichen Niveausprünge.
Im Inneren prägt der Gesundheitsschutz die Grundrissorganisation. Eine strikte Schwarz-Weiß-Trennung verhindert, dass Kontaminationen aus dem Einsatz in die Sozialbereiche getragen werden. Rückkehrende Kräfte durchlaufen eine bauliche Schleuse mit Reinigungs- und Desinfektionsmöglichkeiten, bevor sie die sauberen Bereiche betreten. Während das Erdgeschoss für den schnellen Takt des Einsatzes optimiert ist, befinden sich in den hochwassersicheren Obergeschossen die rückwärtigen Funktionen. Hier sind Schulungsräume, die Verwaltung, die Einsatzzentrale sowie spezialisierte Werkstätten und Lager untergebracht.
Die Konstruktion als massiver Stahlbetonbau trägt den erhöhten statischen Anforderungen der Region Rechnung. Eine Fassade aus Klinkerriemchen verleiht dem Gebäude ein robustes, langlebiges Äußeres, das durch horizontale Fensterbänder ruhig gegliedert wird. Ergänzt wird das Ensemble durch einen separat stehenden Übungsturm, der über Stege an das Hauptgebäude angebunden ist. Er dient als zweiter Rettungsweg und ermöglicht realitätsnahe Ausbildungs-Szenarien direkt am Standort.