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Erweiterung, Umbau und energetische SanierungGräfin-Sayn-Schule, Drolshagen

Klassische Architekturleistung

Visualisierung [Vorentwurf]: © Beyss Architekten GmbH

 

Die Gräfin-Sayn-Schule in Drolshagen wird im laufenden Betrieb umgebaut, energetisch saniert und durch gezielte Neubauten zu einem zukunftsorientierten Schulcampus erweitert. Der Entwurf ordnet das historisch gewachsene Gebäudeensemble neu, schafft dringend benötigte Kapazitäten für den Offenen Ganztag (OGS) und übersetzt moderne pädagogische Konzepte in eine offene, inklusive Architektur. Innenräume, Mensa und naturnahe Schulhöfe verschmelzen dabei künftig zu einer identitätsstiftenden Lernlandschaft für bis zu 360 Schülerinnen und Schüler.

Die Projektdaten

Bauherr
Stadtverwaltung Drolshagen
Standort
Drolshagen
Gebäudetyp
Schulgebäude
Leistung
Erweiterung, Umbau und energetische Sanierung
Bereich
Bildung + Forschung
Leistungsumfang
LPH 1-9 Objektplanung
Fertigstellung
Zeitraum
-
BGF
5.103 m²

Derzeit stößt die Grundschule an ihre räumlichen Grenzen, zumal der Anspruch auf ganztägige Förderung im Schulalltag künftig noch mehr Platz erfordert. Das bestehende Ensemble aus den Baujahren 1954 bis 1990 weist zudem funktionale Defizite auf: Die verschiedenen Baukörper sind im Obergeschoss nicht durchgängig verbunden, ein klares Leitsystem fehlt und innere Höhenunterschiede erschweren die Zugänglichkeit. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, weicht ein Teil des Bestands einem dreigeschossigen Neubau, der künftig als zentrales Herzstück und Verteiler der Schule fungiert. Dieser verbindet die westlichen und östlichen Baukörper und überbrückt mittels Aufzug auch die historischen Höhenversprünge nahtlos, sodass das gesamte Gebäude barrierefrei und inklusiv nutzbar wird.

Im Gebäudeinneren reagiert die Architektur unmittelbar auf den Wandel der Unterrichtskultur und löst die klassische, starre Flurschule ab. Die Klassenverbände organisieren sich in zeitgemäßen Lernclustern, die sich um großzügig verglaste „Gemeinsame Mitten“ gruppieren. Diese dienen als Schaufenster der Schule und erweiterte Lernlandschaften. Ergänzt durch Differenzierungs- und Förderräume entsteht so Raum für Einzel- und Stillarbeit, Gruppenbesprechungen sowie offene Lernformen. Ein hohes Maß an Multifunktionalität wird dabei durch mobile Trennwände und flexible Raumzuschnitte in Trockenbauweise gewährleistet. Damit lässt sich die Architektur nicht nur im Schulalltag variabel nutzen, sondern auch an künftige pädagogische Entwicklungen anpassen.

Da die Schule zunehmend vom reinen Lernort zum ganztägigen Lebensraum wird, rücken Gemeinschaftsflächen stark in den Fokus. Die neue Mensa öffnet sich zum Pausenhof und lässt sich bei Bedarf mit dem zentralen Forum zu einer großen Versammlungsstätte zusammenschalten. Ein einladendes Raumgefühl von Durchlässigkeit entsteht, wenn das verglaste Forum im Erdgeschoss den nördlichen und südlichen Schulhof optisch ineinanderfließen lässt. Eine neue Dachlandschaft aus aneinandergereihten Satteldächern spiegelt die kleinteiligen Nutzungsbereiche wider und vermittelt das vertraute Gefühl eines belebten Dorfplatzes mit flankierenden Schulhäusern. Bei der Fassadengestaltung sorgen natürliche Erdtöne von Terracotta bis Altrosa im Zusammenspiel mit vergrauenden Holzelementen für eine lebendige Identität, die das Farbkonzept der Innenräume nach außen trägt.

Auch ökologische Nachhaltigkeit und Klimaanpassung prägen den Entwurf maßgeblich. Sowohl der in Massivbauweise errichtete Neubau als auch der sanierte Bestand erreichen den hohen energetischen Standard eines Effizienzgebäudes 55. Dies wird durch eine ressourcenschonende Wärmeversorgung mittels Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine PV-Anlage zur vorrangigen Eigenstromversorgung und begrünte Flachdächer unterstützt. Auf dem Dach der Mensa erweitert zudem ein „Grünes Klassenzimmer“ mit Pergola das Lernangebot ins Freie. Die stark umgestalteten Freianlagen greifen den naturnahen Ansatz auf: Geschlossene Pflasterflächen werden durch Rasengitter aufgelockert, um natürliche Versickerung zu ermöglichen. Ein umlaufendes Plateau schafft schwellenlose Übergänge, während der Hauptschulhof mit Spielwald und Sitzstufen sowie der geschützte Südschulhof – mit in die Topografie integrierten Sand- und Wasserspielen – differenzierte Bewegungs- und Rückzugsräume bieten.

Die größte logistische Herausforderung des Projekts liegt in der Umsetzung während des laufenden Schulbetriebs. Ein detailliertes Konzept aus aufeinander abgestimmten Bauabschnitten und internen Umzügen ermöglicht es, auf kostenintensive Interimslösungen wie Container fast vollständig zu verzichten. 

Durch die Maßnahmen der Beyss Architekten GmbH wächst der Hauptstandort der Gräfin-Sayn-Schule – neben den beiden weiteren Teilstandorten 'Hützemert' und 'Schreibershof' Schritt für Schritt zu einem zukunftsfähigen Schulcampus heran.

Ansicht aus Entwurf – Grünes Klassenzimmer Pergola
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